Friss oder stirb!

"Uns geht es gut" glauben zumindest reisewütige Islamisten und sprengen sich himmelhochjauchzend selbst in die Luft. Nicht, dass wir von Allem genug übrig haben und leben wie die Maden im Speck, wie Adam und Eva im Paradies, wie Gott in Frankreich, wie deutsche Manager. Aber wir müssen aufhören, uns zu beschweren, zu bemitleiden und herum zu jammern, dass wir nichts übrig haben, um uns an dem Aufschwung der deutschen Wirtschaft beteiligen zu können. JedeR hat seineN Beitrag zu leisten. Es ist nur eine Frage der Verhältnisse. Die in einem Unternehmen am tiefsten bezahlte Arbeitskraft müsste 65 Jahre arbeiten, um auf den Jahreslohn eines durchschnittlichen KonzernleitungsmItglieds zu kommen. Gehalt Ist also nicht von der erbrachten Leistung abhängig, sondern von der Position, sich sein Gehalt selbst zu zahlen. »Der Aufschwung kommt bei den Menschen an, bei immer mehr Menschen« weiß Angela Merkel. Aha, denke ich, warte ich mal ab. In den nächsten Tagen verbringe ich Zeit damit, am Fenster, vor der Tür zu stehen und auf den Aufschwung zu warten. "Nein, leider kein Aufschwung dabei!" enttäuscht mich die Briefzustellerin, die ihren Drittjob für Euro 6 Brutto erledigt und genauso aussieht. Kein Wunder, wartet sie wohl selbst auf den Aufschwung, während Ihr Kind Kind Im teuer erkämpften Kiga verweilt und der nächste Job bereits wartet. Fast sieben Millionen Menschen sind geringfügig beschäftigt, davon fünf Millionen ausschließlich in Minijobs. Morgens Briefe austeilen, mittags als Servicekraft Essen in der Kantine ausgeben, nachmittags bei Mc Donalds die sanitären Anlagen reinigen, abends als Flugbegleiterin den Essenswagen schieben und morgens dann wieder von vorne. Arbeit für Alle. Jetzt, gleich und später, bis zur totalen Erschöpfung. Und immer schön lächeln. Mit 3- Wetter-Taft und einem Frühstücks-Riegel funktioniert auch ein gepflegter, positiver Umgang, der eine "Fick mich, ich bin willig"- Mentaltität versprüht. Die wahren Gefühle flößen wir uns mit der täglichen Dosis Daily Soap ein und leiden mit, wenn DB-Chef Mehdorn nach der tarifpolitischen Niederlage im Januar trotzig "massiven Stellenabbau" und höhere Ticketpreise angekündigt. Was kostet die Welt? Was kostet die Bahn? Investitionen müssen sich wieder lohnen. Für Manager und Rotlichtparties.
"Unternehmen mit kämpferischen Gewerkschaften, die streiken - und sich durchsetzen -, sind für Investoren weniger attraktiv."
Was übrig bleibt ist ein Leben als Hund, nach dem man tritt, den man quält und einschläfert. Du bist eben nicht Deutschland. Du bist nur eine Notiz in der Vorratsdatenspeicherung, eine Streichung im Haushalts- und Wirtschaftsetat, ein Auslaufmodell, eine wegrationalisierte Belastung für den Betrieb, ein Witz, über den niemand mehr lacht.
»Jeder -ob ein Geringverdiener, ein Höchstverdiener oder ein ALG-II-Empfänger muß sein persönliches Ausgabenverhalten nach dem ausrichten, was er zur Verfügung hat. Ich bin überzeugt, daß das möglich ist. « (...) orakelt Max Straubinger von der CSU. So wird Armut weggeredet. Oder verdrängt. Wir müssen nur an den Aufschwung glauben. Ganz fest. Die Trümmerrfrauen mussten in der Nachkriegszeit auch erst mal schuften, um dem Erhard die erste Zigarre zu ermöglichen. "Den Aufschwung kannste doch in der Pfeife rauchen!" würde mein Opa jetzt mahnend hustend von sich geben, wenn er denn das Rauchen wegen 2 Herzinfarkte nicht aufgegeben hätte. "Jung, wir ham uns kaputt malocht!" Der eigentliche Aufschwung war dann die Feuerbestattung. Noch einmal in die Luft gehen...empor gehoben werden wie ein Superstar, dem alle zujubeln. Wer gibt schon gerne zu, dass jemand arm sei. Nee, wir leben von dem, was wir haben und können eben gut haushalten. Und wir geben ja auch gerne. Wir Deutschen sind Ausländern gegenüber besonders spendierfreudig. In den Augen der meisten Deutschen ist ein Ausländer, vor allem wenn er nicht aus Westeuropa stammt, ein Mensch, der Führung, Beistand, Belehrung und einer besonderen Behandlungsweise bedarf. Ein Ausländer ist - gleichgültig in welcher Position er sich befindet - ein geistiger und materieller Almosenempfänger. Es steht jedenfalls fest, dass Ausländer kulturell und geistig minderbemittelter sind als eigene Landsleute. Man kann auf sie herabblicken, meist freundlich, selten bewusst boshaft. Die vermeintliche Ungleichheit nimmt man hin, als wäre sie ein Naturgesetz. So spenden wir kriminellen Ausländern die Heimreise. Aber auch Deutsche sparen sich Ärger, wenn sie aufhören, durch einen erhöhten Alkoholkonsum die Armut wegzusaufen.
Bei einer Sicherheitskontrolle am Nürnberger Flughafen hat sich ein 64jähriger Passagier geweigert, die Wodkaflasche aus dem
Handgepäck gegen eine geringe Sicherheitsgebühr als Reisegepäck abzugeben. Er trank sie aus und wurde zur Entgiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Geiz ist nicht geil, sondern gesundheitsschädigend. Und bevor sich die deutsche Wirtschaft gesund schrumpft, nehmen wir uns ein Beispiel an Deutsche-Bank­Chef Josef Ackermann, der im Geschäftsjahr 2004 rund 10,1 Millionen Euro verdient hat, aber fast genausoviel weniger als ein Jahr zuvor. Seht ihr? Wir können doch noch verzichten. Weniger Geld heißt doch nicht gleich, weniger Würde. Denn die ist unantastbar und kostet nichts. Verdammt, wo bleibt der Aufschwung?
Die Energiepreise steigen 2008 weiter, die Lebensmittel werden teurer, die Renten gekürzt und Jobs nach Wünschen von Industrie und Unionsparteien am besten mit Minimindestlöhnen von 4,50 Euro vergütet. Also müssen wir gaaaanz schnell wieder ein paar Schuldige ausmachen. Ein paar schwarze Schafe aussortieren, ins Ghetto bringen, dann ins Lager und unter die Dusche stecken. Selbstjutiz als Volkssport für eine moralisch starke Gemeinschaft, die sich nicht zu schade ist für Drecksarbeit. Sachsen-Anhalt will einem Schornsteinfeger wegen politischer Tätigkeit für die rechtsextreme NPD den Kehrbezirk entziehen. Ja, mensch, wo leben wir denn? Wir müssen uns an NPD-Parlamemntarier
gewöhnen. SIE leben unter uns...Verzeihung...über uns, selbst wenn sie niedere Arbeiten verichten. SIE haben den Kampf der Straße gewonnen. Sie machen sie jetzt sogar schon sauber.
"Hassu mal 'n Euro, ey?" schnorrt mich der sonnenbankgebräunte Penner im Armani-Anzug auf offener Straße an. "Hab ich investiert!" bringe ich locker über die Lippen. "In Aktien?" fragt der Armani-Penner interessiert. "Quatsch. Der NPD gespendet!" Denen geht's doch soo schlecht. Anfang November 2006 musste die NPD zugeben, dass sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Der Grund waren Rückforderungen des Bundes in Höhe von fast 900.000 Euro. Da hat der Schatzmeister ausgerechnet, dass wenn jedes Mitglied,
mindestens 100 Euro spendet, das Finanzproblem gelöst wäre. Die kann Ich aber nur In Raten zahlen. Naja, und dafür werde ich noch belohnt. So eine Art "Retter"-Shirt wie von St. Pauli!
Moment, es klingelt(...)Scheiße, waren nur 2 vermummte islamistische Freiheitskämpferinnen. Die haben mich gefragt, ob ich noch an etwas glaube. Ja, an den Aufschwung! Die haben mich ausgelacht und mir einen Lotto-Schein ausgehändigt.
Es wird Zeit, dass ich den Lotto-Jackpott knacke.

1 Kommentar 16.4.08 11:52, kommentieren

Never trust a HIPPIE

Die Hippies haben Geburtstag. Jene, unter Artenschutz stehende -ja fast ausgestorbene- Spezies und Erscheinungsform, die Ende der 60er Jahre für ein Aufschrei in der konservativen, spießbürgerlichen Gesellschaft sorgte. Lange, zumeist ungewaschene Haare, immer mit einem süffisanten Lächeln im unreinen Gesicht und das unverwechselbare Peace-Zeichen, bei dem die Handgeste mit gespreiztem Zeige- und Mittelfinger dargestellt wird. Interssant hierbei, dass das Peace- (oder aufgrund der dargestellten Form auch Victory)-Zeichen seinen Ursprung im Mittelalter hat. Damals wurden den Bogenschützen, die gefangen genommen wurden, der Mittelfinger und der Zeigefinger abgeschnitten, damit sie nie wieder mit dem Bogen schießen konnten. Die Bogenschützen streckten daher nach einem Sieg immer diese beiden Finger in die Höhe um zu demonstrieren: "Seht her, ich habe meine Finger noch". Den Hippies wurden die Finger nicht abgesäbelt. Sie waren ja auch keine Bogenschützen, sondern bekiffte Nervensägen, die dich immer und überall vollquatschen mussten. Gut, dass machen obdachlose Penner heute auch noch, aber in der Hippie-Ära galt es als systemkritisch, wenn du destimmte Floskel in den Mund genommen hast: "Make love not war" zum Beispiel. Einen Satz, den wir aus dem Mund von Angela Merkel und George W. Bush niemals hören würden. Die waschen ja auch ihre Haare und tragen festes Schuhwerk. Die sexuelle Befreiung war ein wesentliches Merkmal in der Hippiezeit. JedeR fickt mit JedeM, aber niemals zweimal, denn dann gehörtest du zum Establisment. Und dagegen galt es ja zu kämpfen: Die etablierte Gesellschaft, die Gemeinschaft der "fertigen" Menschen, die in ihren Ansprüchen an das Leben (und keinesfalls nur materiellen!) zufriedengestellt zu sein scheinen und jetzt nur noch alles daransetzen, das Erreichte zu erhalten und allenfalls noch auszubauen. Und leider gehört zu diesem Establishment auch immer die sogenannte Elite einer Gesellschaft, also diejenigen "besonderen" Menschen, die die Gesellschaft prägen. Heute sind das die Top-Manager wie Josef Ackermann, die von der guten Konjunktur profitieren und über festes Schuhwerk, gewaschene Haare und Schweizer Konto verfügen. Obwohl Ackermann mit dem Bogenschützen aus dem Mittelalter eins gemein hat: Das Victory-Zeichen. Ackermann war 2004 zusammen mit anderen Spitzenmanagern angeklagt, weil er dem Mannesmann-Management im Zusammenhang mit der Übernahme durch Vodafone Millionen-Abfindungen gewährte. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Untreue in schweren Fällen vor. Im Gerichtssaal formte Ackermann die Finger zum Victory-V und sinnierte: "Das ist das einzige Land, wo diejenigen, die erfolgreich sind und Werte schaffen, deswegen vor Gericht stehen."  Die Arroganz der Mächtigen, das Verhalten von Ackermann beinhaltet im Allgemeinen das Unverständnis für junge Menschen, für die andere Erfüllungen wichtiger und reizvoller sind, etwa solche nach gelungener Einheit von Leib und Seele oder auch nach Harmonie von Mensch und Natur. Hippies oder Sektenmitglieder.

Aber nochmal zurück auf das wesentliche Merkmal: die Liebe. Liebe machen, anstatt Kriege führen. Ficken oder glücklich sein. Beides zusammen geht nicht. Make love not war! Damit wird das Establishment, das System nicht gestürzt, es wird höchstens mit kleinem Nachwuchs für die Rentenvorsorge untertützt. Hätten die Mächtigen der Welt, die Politiker und Kriegstreiber, mehr Sex, sie wären ausgefüllter, entspannter und ausgeglichener. Ja, gebe es mehr Hippies in der Welt, es gebe keine Kriege mehr. Vielleicht sind die Männer, die mächtigen Politiker, impotent und führen deshalb Kriege, um ihre sexuelle Frustration zu kompensieren. So wie Hitler. Auch George W. Bush flüchtet lieber in den religiösen Wahn und masturbiert zur Lektüre "The Great Influenza - The Epic Story of the Deadliest Plague in History" (John Barry), in der die weltweite Grippeepidemie von 1918 beschrieben wird, bei der mehr als 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Möglich, dass sich Bush davon Anregungen erhofft, wie mit einer solchen, vielleicht durch Terroristen mit biologischen oder chemischen Waffen ausgelösten Pandemie, umzugehen sei. Die Welt wird dadurch nicht hippiesker oder liebevoller. Dabei gibt es aber durchaus Menschen und Gruppen, die das Ideal von Liebe leben. RTL2-GuckerInnen beispielsweise. "Wir hatten damals viel bessere Drogen und suchten Erleuchtung, wollten die Welt verändern, studierten fernöstliche Philosophie, demonstrierten gegen den Vietnamkrieg und kämpften für soziale Gerechtigkeit." Heute gibt es TV-Drogen wie DSDS, BIG BROTHER, studiert wird die Fensehzeitung, gekämpft wird um die Fernbedienung.
Liebe und Frieden, wo gibt es das noch?
"Turn On, Tune In, Drop Out", das Feeling für totale Erholung und Entspannung, das Eintauchen in fremdartige Sphären...passiert heute nur noch in der künstlichen Welt von IKEA, Samstag Morgen in der Vorweihnachtszeit. Das heutige Vietnam ist die Schnäppchenjagd im Kaufhaus, "Paradise Now!" die Eintrittskarte für Billig-Discounter. Woodstock ist heute das Anti G8-Camp. Getanzt wird zum Knüppel aus dem Sack, geweint wird nicht vor Ekstaste, sondern vom Tränengas im Kessel. Keine Zeit für Gefühle, keine Zeit für die Liebe. Klug ist es dann, nicht zuviel darüber zu reden. Denn im Grunde ist die Sache ganz einfach. Liebe ist nicht zu erarbeiten! Sie wird erlebt, begegnet einem Menschen, wird durch Erfahrung, reflektiertes Erleben angeeignet - oder nicht. Und das macht es zugleich schwieriger, denn ob dies geschieht, ist Zufall und eine Frage des 'Glücks' - und brüchig und vergänglich wie dieses. Doch Menschen in unserer Kultur mögen nichts einfaches und glauben an das Komplizierte, sind misstrauisch und verängstigt.
Heute musst du höllisch aufpassen, kannst niemanden mehr trauen. Was bleibt ist der Kernsatz "Never trust a hippie". Denn der will dir heute eine Versicherungspolice verkaufen!

13.4.08 13:11, kommentieren

...und der Terror geht weiter

...und der Terror geht weiter!
Die Achse des Bösen ist in der Gesellschaft installiert. In Zeiten, in denen Bin Laden auf der youtube-Plattform Videobotschaften übermittelt, glauben Unschuldslämmer, das sei der gerappte Versuch, arabische Wortakrobaten ins Morgenland zu integrieren und ein unbegrenztes Visum zu ermöglichen. Die Vorstellung, ihn auf dem roten Teppich der MTV-Preisverleihung zu empfangen, scheitert an der Bombenstimmung bei schlechtem Wetter und der geplatzten Kofferübergabe am Flughafen. Zündstoff liefert da die kleine Randnotiz im Lokalteil der örtlichen Zeitung, die davon berichtet, wie schlecht Bin Laden immer angezogen ist und dass sein Friseur gefoltert gehört. Offen bleibt hingegen die Frage, ob sich Bin Laden nach dem WTC...sorry...WC-Besuch die Hände wäscht. "Ja, und zwar in Unschuld" weiß bestimmt nur die Klofrau, die aber nicht mehr verrät, weil der Mann aus dem Orient spendabel ist und ein paar Kamele versprochen hat.
Dass der Blick auf das Äußere immer oberflächlich ist, wird auch bei Roland Schill deutlich, der plötzlich aus dem langjährigen Karibik-Urlaub in die Schlagzeilen geritten kam und fast wie der verlorene Sohn wirkte, der voller Sehnsucht in die offene Hände des Staatsanwaltes fällt. Noch brauner als vorher schon gebrandmarkt wollte der "Richter Gnadenlos" einen Reisepass beantragen. Angeblich seien Sprachschwierigkeiten Grund genug gewesen, Heim ins Reich zu kommen. Nun wartet der Untersuchungsausschuss, der ihn als Zeuge laden will, um die Verantwortlichkeiten für Missstände im geschlossenen Heim für straffällige Jugendliche in der Hamburger Feuerbergstraße zu klären. In dem Heim sollen Minderjährige rechtswidrig mit Psychopharmaka behandelt und ihrer Freiheit beraubt worden sein. Der ehemalige Hamburger Innensenator und Mitbegründer der rechtspoulistischen SCHILL-Partei inszenierte seine Reden als Klaviatur des Protestes. Nicht besonders virtuos, eher hanseatisch unterkühlt und manchmal etwas abstrus. So behauptete er, "im fernen Kurdistan" würden Videos mit Bildern aus deutschen Gefängnissen gezeigt, um damit potentielle Dealer für Deutschland anzuwerben. Vielleicht sind es jetzt die Dealer, die ihm eine Freikarte aus dem Gefängnis verschaffen oder ihm gleich den Weg frei bomben, damit er auch ohne Reisepass in ein Land frei Wahl einreisen kann.
Reisen unternimmt auch Eva Hermann. Die graziöse Erscheinung der nationalen Front deutscher und werdender Mütter verstrickt sich in Äußerungen, die so nicht gemeint sind, falsch wiedergegeben oder gar nicht gesagt wurden. Sie würde lieber ihre Bücher für sich sprechen lassen. Nun sind es ja keine Hörbücher geworden, aber sollen immer als Grundlage für ein Gespräch mit ihr dienen. Die Zeiten der Bücherverbrennung ist zum Glück vorbei, aber wann soll die demanzipierte Frau denn die Schundliteratur lesen? Kochen, putzen, Windel wechseln, Mann umsorgen...da bleibt doch keine Zeit zum Lesen?!
„Mit den 68ern wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit. Das war ein völlig durchgeknallter hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat. Das wissen wir alle. Aber es ist damals eben auch das, was gut war – und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt – das wurde abgeschafft ...“ Häh, wie konfus ist das denn? Mensch, Eva, rolle über Hitler's Autobahn und überlass das Reden denjenigen, die auch meinen, was sie sagen. Politiker zum Beispiel. Oder die ROTE ARMEE FRAKTION, die in diesem Jahr durch die Medien geistert und verkommerziellisiert wird. Eva, da kannst du dir noch mal Prinzipien abgucken und lernen, wann es Sinn macht, den Mund zu halten, bevor du ihn verbrennst.
Nichts anbrennen lässt Christian Klar, der im Hafturlaub bei KERNER kocht und mit einem Grünkohl-Rezept nach Ensslin-Art überrascht, woraufhin sein Gericht zum Weltkulturerbe gekürt und Klar von Präsident Köhler begnadigt wird. Es folgen die "R.A.F."-Wochen "Los Terros" bei Mc Donalds, inklusive Stickeralbum von GenossInnen aus der 77er-Hoch-Zeit zum Sammeln in der Juniortüte. Altbundeskanzler Helmut Schmidt stört die Welle der Renaissance mit Blick auf die Opfer, während über Mc Donalds ein Klagewelle hereinbricht, weil sich KundInnen den Magen verdorben haben. Christian Klar wird daraufhin aus der Unschuldsvermutung gehebelt und von Schäuble persönlich zurück in die Zelle begleitet, wo er mit Roland Schill zusammen gelegt wird und beide überlegen, wie sie Eva Hermann für ihre Bewegung "deutsche Hausmannskost statt Einheitsbrei" für sich gewinnen können. Das Symbol "Kochlöffel" und "Schürze" als Parteiwappen und Eva Hermann als künftige Frauenministerin, die in ihrer Eröffnungsrede fabuliert "dass wir den Verfall der deutschen familie nur auhalten können, wenn wieder mehr gemeinsam egkocht und gegessen wird. Mc Donalds und Fastfoodessen führt doch neben Blähungen im Enddarm-Bereich zu einer Entsozialisierung, ähnlich wie die 68er-Generation, wo ...das war schlecht, wegen der Pille und der Emanziaption, die den Mann von der Frau doch weggeführt hat. Wir Frauen müssen doch tiefes Glück empfinden, wenn unsere Männer im Stadion sind, da bleibt Zeit für gemütliche Heimatabende, um über die Windelpreise zu diskutieren. Wir sollten auch den Muttertag zum Nationalfeiertag erküren, weil wir dankbarer sein sollten, über das, was wir leisten: Birne Helene mit gekochter Birne und Schlagsahne!"
Und am Ende macht uns die SUPER NANNY einen Strich durch die Rechnung, weil besorgte Kinder anrufen und ihre Mütter für einen Alien halten. Und der Terror geht weiter!!!

21.10.07 14:05, kommentieren

Willkommen im Lifestyle Club

„Tötet Onkel Dittmeyer!“
skandierte die Osnabrücker Komödiengruppe DIE ANGEFAHRENEN SCHULKINDER 1991. Wo die doch sehr aufdringliche Form zur öffentlichen Gewaltanwendung herrührt, entzieht sich meiner Kenntnis. Ich vermute aber, dass  die  extreme Abneigung der SCHULKINDER durch den saisonal bedingten Arbeitseinsatz auf Onkel Dittmeyer's Fruchtplantagen zustande kam. Oder aber, sie haben sich vom puren 100% reinen Fruchtsaftgeschmack verführen lassen, bis das firmengewollte Suchtverhalten zu Entzugserscheinungen bei den KonsumentInnen führte. Der persönliche Einsatz des Onkels von Valensina in der Werbung garantierte eine Beziehung zur Fernsehkundschaft, die über das pure Orangenvergnügen hinaussging. „Aber ich komm einfach nicht mehr 'raus aus Hamburg“, verzweifelt Onkel Dittmeyer. Der liebe Gutmensch ist vor den Billiganbietern in die Knie gezwungen worden. Onkel Ditte kann sich nicht mehr aufrappeln und neu anfangen. Der Segen von frisch gepressten Orangensaftes ist zum Fluch geworden. Heute kämpft er nicht mehr für 100% reines Saftvergnügen sondern gegen die Maulwurfplage im Garten.
Genauso plag(t)en und verfolg(t)en mich seit geraumer Zeit Werbemenschen, die in alle Intimphasen des Alltags, ja, des Lebens, eindringen und mit mir Kontakt aufnehmen woll(t)en. Die Tante Klementine mit dem Charme der Donna Medusa zwang mich mit einem autoritären Blick die Wäsche rein zu halten. Fortan traute ich mich nicht mehr, zu onanieren, weil ich dachte, im nächsten ARIEL-Werbebspot sei ich ihr Opfer und müsse das Laken mit Zahnbürste und Waschmittel eigenhändig säubern. Andernfalls gebe es einen ordentlich Klapps auf das Hinterteil und einen Schnitt im Genitalbereich. Manchmal zucken ich und mein Gießkännchen zusammen, weil ich die „Waschexpertin der Nation“ in weißer Latzhose und weiß-rot kariertem Hemd vor dem Supermarkt erblicke. Ach nee, doch nicht, war nur Maria Hellwig.

Da war der MELITTA-Mann schon gnädiger und erklärte mir mit sanfter Stimme die Wirkung des Filterpapiers. Heute lebt Egon Wellenbrink auf Mallorca und trinkt Jasmin-Tee. Die Werbung hat erkannt, dass reale Personen einen vertrauenswürdigen Eindruck hinterlassen und schickt die Deppen von Calgon auf Kalkspurensuche, hebt Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer wie ein Rockstar in den Himmel, bis mich die Lotto-Fee in den Schlaf zaubert und ich einen Wunsch frei habe:
Abschaffung der Werbung. Schließlich beeinflusst die Werbung, hat Auswirkung auf unser Sexleben, auf unser Kommunikations-System. „Schatz, ich bin willig, lass uns ficken!“ klänge in der Werbung plakativ und anzüglich. Dafür wird der sexuelle Akt durch  runde Schokostücken ersetzt, die Geilheit assoziieren, wenn sich eine Frauenhand die Mon chérie -in detaillierter Großaufnahme und im slow motion Verfahren- genüsslich mit einem lang gezogenen „Mmmmmmhhh“ oral einführt. Werbung leistet also Orgasmushilfe und fördert den Fetisch. Ob Socken, Shampoo, Pizza. Beim ersten Mal tut's immer weh!
Ich habe mich dennoch  von den Onkels und Tanten losgeeist. Mehr noch, ich habe ihnen offiziell  durch „zapping“ die Freundschaft gekündigt. Schließlich ersticke ich hier im Müll der Verpackungen diverser Test- und Probierpakete. Ein Zustand, der nicht länger mehr haltbar ist. Die MAGGI-Produkte sind abgelaufen, die Rabattmarken aber nicht und das payback-Konto wurde mangelnder Benutzung gelöscht. Derweil rieche ich nach verschiedenen Duftproben, dass mich -sobald ich die Haustür verlasse- sämtliche Hunde aus der Nachbarschaft erschnüffeln und sich mit mir paaren wollen. Und wenn ich beim Klingeln des Weckers mit der Titelmusik aus dem McDonalds-Spot („nanananana, ich liebe es&ldquo geweckt werde, möchte ich Ronald Mc Donald erschießen. Ich wünsche mir vor meiner Hinrichtung noch eine Juniortüte als Henkersmahlzeit, die bei mir einen Herzstillstand von den ungesunden Fetten einbringt, und ich als letzten Eindruck vom Diesseits, das dämliche Grinsen eines winkenden Clowns wahrnehme. Auftrag erfolgreich ausgeführt!
Wie bereits erwähnt, konnte ich mich aus den Fängen der Werbetanten und -onkels befreien. Das ging natürlich nicht ohne Fremdhilfe, Therapie und länger anhaltenden Entzugserscheinungen.
Und auch heute erkenne ich versteckte Botschaften in der angeblich werbefreien Zone, bei TAGESSCHAU und TAGESTHEMEN, bei der Telenovela am Nachmittag, TRAUMSCHIFF und dem Wort zum Sonntag: „Er nahte mit Brausen!“ Gut, Jesus mag der erste Kellner gewesen sein, und ich düse zum Supermarkt meines Vertrauens und kaufe Sinalco Brause im Vorratspack, bevor die Welt untergeht.
Mag sein, dass ich zu Übertreibungen neige und Wortdeutungen falsch interpretiere. Aber ist es nicht doch so, dass eine versteckte Werbe-Botschaft mitschwängert, wenn sich Ede Stoiber zu Wort meldet: "Ich habe natürlich dargelegt, dass ich als Parteivorsitzender, der auch ein Stück seines Lebens der Idee der CSU gewidmet hat und es auch weiter tut, ja wie ein Hund darunter leide, dass jetzt gegenwärtig das Ansehen der CSU ein Stück weit Schaden genommen hat." Stoiber verglich sich mit einem Hund, nachdem er sich für Berlin als ungeeignet einstufte. Ich hingegen bin Fische als Sternzeichen, sensibel und habe Mitleid. Aus Solidarität trete ich 3 Tierrechtsorganisationen und der CSU bei, nehme 15 Hunde auf und will Stoiber kastrieren. Gut, ich kann nicht alles auf einmal haben, obwohl Werbung an meine sofortige Befriedigungslust appelliert. Doch da hilft mir Actimel und „activiert Abwehrkräfte“.
Manchmal ist es wie bei Dr. Kimble auf der Flucht: Du, allein, gegen die Werbung. Gibt es ein kitschiges Happy end, ein fulminanter show down? Das Leben ist kein „Lifestyle Club“, sondern das Mindesthaltbarkeitsdatum auf der Familienpackung.

13.8.07 13:22, kommentieren

Was brauchst du zum glücklich sein?

Was brauchst du zum glücklich sein?    


Ist Glück ausschließlich ein spontanes Gefühl, eine -nüchtern betrachtet­- reine Überproduktion von körpereigenen Botenstoffen (Endorphine) und ein rauschähnlicher Zustand, folglich eine biologische Reaktion? Für mich ist Glück greifbar und fassbar und auf jeden Fall ein schönes Gefühl, was mituner sekunden- oder bestenfalls stundenlang anhalten kann. Aber Vorsicht:
Hast du das Gefühl vollkommener Glückseligkeit erlangt und es tagelang anhält, hast du entweder
- ein Suchtleiden (psychotropische Substanzen) und stellst dieses Gefühl künstlich her, was subjektiv beeinträchtigt wird durch:

  • Morphin-Typ (natürliche Opiumabkömmlinge, halbsynthetische Morphinabkommlinge und Morphinersatzpräparate)
  • Babiturat-Alkohol-Typ (barbiturathaltige und
-freie Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel und Alkohol. Auch Schnüffelstoffe zählen hierzu
  • Kokain-Typ
  • Cannabis-Typ
  • Amphetamine-Typ
  • Halluzinationen-Typ (LSD, Mescalin)


oder du bist in der Mediationsgruppe der VHS und flüchtest in positive Erlebniswelten (Achtung: nicht Parallelweiten!).
In der deutschen Sprache wird der Begriff "Glück" in zwei sehr unterschiedlichen Bedeutungen gebraucht:

  • Glück im Sinne von "Glück haben"
  • Glück im Sinne von "Glück empfinden"


1. Glück haben heißt, durch einen (glücklichen) Zufall begünstigt zu sein.
Beispiele dafür sind: durch Zufall beim Lotto, Roulette oder einem sonstigen Glücksspiel gewinnen; durch Zufall einen Vorteil erlangen (z.B. Bei ALDI an der "schnellsten'" Kasse anstehen); durch Zufall einen Nachteil vermeiden (z.B. Auf einem Konzi beim Pogen von einem Unfall verschont werden)

2. Glück empfinden
Das Empfinden von Glück ist sowohl ein Gefühl, als auch ein Zustand, in dem sich eine Person befindet und der sich durch ein allgemeines, oft unbewussten Wohlbefinden auszeichnet Entscheidend sind dabei nicht die objektiven Tatsachen, sondern das subjektive Erleben der betreffenden Person. Glücksforscher verwenden deshalb statt des Begriffes "Glück" eher den Begriff "Subjektives Wohlbefinden".

  • "Glück empfinden" hat also zwei mögliche Varianten:

"Glück empfinden" können wir während einer kurzen Zeitdauer (wir erleben einen Glücksmoment) Beispiele: Sex haben; etwas Gutes essen; mit Freunden zusammen sein; eine wichtige Sache erfolgreich abschließen, das neueste UNDERDOG in den Händen halten.
"Glück empfinden"  kann ein dauerhaftes Gefühl sein.


Es mag Personen geben, die in der kriminellen Handlung­beispielsweise Klauen im Supermarkt  -eine übermäßige Ausschüttung von Glückshormonen bekommen und diese Handlung wiederholen müssen, um dieses Gefühl zu erlangen. Klauen wird zum Zwang, (das Glücksgefühl ein gewohnter Zustand, der zusätzlich gekickt und gesteigert werden muss.
Für diesen Kick gibt es in der heutigen Zeit eine Reihe von Organisationen und Personen, die dir hilfreich sind, das Glücksgefühl zu stärken und die Lebensqualität zu steigern. Aber zu welchem Preis? In der heutigen Leistungsgeselllschaft verlangen Menschen nach synthetischen Mitteln, die dieses Gefühl im Körper herstellen. Das Glück-Erleben wird zur Sucht, die Dauer des Gefühls nimmt rapide ab. Das Wohlbefinden wird abhängig von Chemie, Managern und der Angst, zu versagen. Die Flucht durch Suchtmittel, psychosoziale Störungen, Psychosen wie Depressionen sind eine mögliche Folge dieses Kreislaufs.  

 
Was brauchst du zum glücklich sein?    
Für mich ist es    
1.    subjektiv ausgewählte Musik    
2.    ein ehrliches Lächeln, was mir geschenkt wird    
3.    die Nähe mir wichtiger Personen    
4.    ein ausgiebiger Spaziergang in der freien Natur    
5. ein schöner Gedanke    

Glück  ist nicht relativ, sondern ein reines, subjektives Wohlbefinden. Ich will nicht, dass alle Menschen auf der Welt glücklicher werden. Aber ich erwarte, dass wir uns nicht von den Medien, von geldgeilen Managern und der Industrie vorschreiben lassen, was uns glücklich machen soll. Das selbstgewählte Glück in Form von selbstbestimmten Handlungen, die kein konsumorientiertes Denken voranstellen (Kreativität), sollte deine Lebensqualität steigern. Letztendlich brauchen wir vielleicht ein wenig mehr Selbstrespekt für ein einen kleinen Moment des Wohlbefindens. Und das Glücksempfinden gehört für mich dazu. Glück haben nicht.  Denn das ist ein möglicher Zufallstreffer!

 

2.7.07 12:35, kommentieren

Beziehungs-Norm

Warum müssen zwischenmenschliche Beziehungen eindeutig und fest gelegt sein? Fast alle Menschen organisieren sich in einer Zweierbeziehung mit zweigeschlechtlichen Vorzeichen. Doch manchmal gibt es Ausbruchsversuche aus dieser Norm-Beziehung, die dann unter dem Druck der Gesellschaft in Frustration enden, weil die Eifersucht und der  Drang nach geordneten Verhältnissen stärker ist.  Auch in der linksradikalen Szene finden sich selten diskriminierungsfreie Räume und eine   offene   Atmosphäre.   Folglich   wird  die Zweierbeziehung   für   Viele   nach   einigen Jahren als ein Rückzug  ins Private geebnet.  In   einem   sozial-psychologischen   System werden dem  einzelnen  auch oft  sehr   genau definierte  Rollen  übertragen.   Dadurch wird festgelegt, was von mir erwartet wird und wie ich  mich  zu   verhalten  habe.   So   entstehen Gruppennormen. Wenn du dich -bezogen auf die emotionale Beziehung- gegen diese Norm verhältst,   beispielsweise   homosexuell, transsexuell lebst, kann es in der Gesellschaft zu   Ablehnung,   Sanktionen   bis   hin   zu Gewaltausbrüchen   führen.   Gleichwohl können diese Gruppen sich bewusst weigern,  die  in der  Gesellschaft  gültigen Normen zu beachten.   Sie  entwickeln  -als Kampfansage an   die   anderen-   ein   normatives Kontrastprogramm.  Aber  auch  hier  kann es zum   Gruppenkonflikt   kommen.   Verlangen die Gruppenangehörigen nämlich, sich diesen abweichenden Normen zu fügen, führt das zu einer bewusst gewählten Außenseiterposition in  der   Gesellschaft.  In  diesem  Rollenkonflikt  steht  die  persönliche  Freiheit  nicht  im  Vordergrund,   sondern  die Beeinflussung durch Außen auf deine Entscheidungsmöglichkeit. Nicht selten bleibt da als letzter Ausweg der Freitod.  
Die  sozialen  Beziehungen,  die  unseren  Alltag  strukturieren und uns als  Person immer  wieder ins  Spiel/Gespräch bringen, sind allgegenwärtig und in den linken Debatten meist ausgespart. Natürlich gibt es die feministische Debatte um   care,   es   gibt   queere   Interventionen   um   selbstgewählte  Verwandtschaft   und   die   Umdeutung   von Familienverhältnissen, es gibt die Kritik an dem Begriffder  Liebe,  der offensichtlich total überdeterminiert ist. Und dennoch  macht  sich  im konkreten  Lebensverhältnis  eine   gewisse   Ratlosigkeit   breit.   Liebe  ist...nicht  frei!  Die Befreiung  von Herrschaftsverhältnissen ist  nur  denkbar  als  ein  Prozess,  der  alle  Lebensbereiche  umfasst.  Daher  gehört zu emanzipatorischen Bewegungen auch immer der Versuch, eine Beziehungspraxis jenseits gesellschaftlicher  Vorgaben  zu entwickeln. Im  Zuge der  so genannten  „68er-Revolte“ wurde „Freie Liebe“  als Lösungsmodell erklärt:
Die   Begrenzung   von   Sexualität   auf   eine   Person   wurde   somit   in   Frage   gestellt.   Dennoch   blieben   die Zweigeschlechtigkeit,   patriarchale  Verhältnisse  und die  heterosexuelle  Norm nahezu unangetastet.   Kein Wunder,  dass die  freie  Liebe durchaus mit Mackertum,  Homophobie  und  der  Ausdehnung von warenförmiger  Sexualität kompatibel war.

 

  • Rückzug aus der Gesellschaft

Die Gesellschaft als Rollenstruktur,  als ein Netz von Verhaltenserwartungen. Schwule, Lesben, Transsexuelle haben
einen  niedrigen   sozialen  Status  und  erhalten  negative  Sanktionen.   Das moralische  Kartenhaus  bricht  vollends
zusammen,  wenn  wir  erfahren,  dass es sich beim lieben  Familienvater   von  Nebenan  um  einen  Transsexuellen
handelt, der  privat gerne Kleider  trägt,  sich schminkt und sich auch mal in Stöckelschuhen aus der Wohnung wagt.  
Wir legen die Definition fest,  wie wer  zu sein  und sich zu verhalten hat,  wir entwickeln eine est gelegte Norm und
pressen uns nahe stehende Menschen und auch fremde Personen in ein Muster, in eine Schublade.  Doch wir haben
die Wahl zwischen Anpassung und Verweigerung.

27.6.07 13:59, kommentieren

Beziehungs-Weisen

  Kämpfen. Lieben. Leben.


Wenn   du   dich   dazu  entscheidest,   Punk,   Skin, TechnojüngerIn,   HipHopper   etc.   zu   sein, entscheidest du dich für eine Szene, einen Trend und  entwickelst   eine  emotionale   Beziehung,  ein
Grundverhältnis   der   Zugehörigkeit   und   des Zugehörigseins.   Entscheidend  ist,   dass  du  dich geborgen, aber auch verstanden und „aufgehoben“ fühlst,  egal  in welcher  „Szene“  du  dich bewegst. Trotzdem  kann  gerade  innerhalb   dieser   Szene-Gesellschaft   das   Grundverhältnis   der entstehen.   In   jeder   Szene   gibt   es Verhaltensmuster,   die   darauf  schließen  lassen, dass Äußerlichkeiten wie die Frisur oder Kleidung als Definitionsmerkmale dazu benutzt werden, um dich in den elitären Kreis aufzunehmen oder eben
nicht.   So   entwickeln   sich   Subszenen   und Abspaltungen,  die  wiederum  einen neuen Kodex definieren.   Bleibt   die   Gleichgültigkeit   oder   die offene   Feindseligkeit   bestehen,   wirst   du   zum
ungeliebten   Außenseiter   und   bekommst   die negativen Aspekte zu spüren (Hass, Gewalt etc.). Bist du von der Szenepolizei akzeptiert, wirst du in der   Interaktionskette   aufgenommen   (soziale Beziehung).  Diese  findet  zunächst in der  eigenen Familie  statt,   später  dann im  Freundeskreis etc. Zu   den   Arten   der   sozialen   Beziehung   zählen beispielsweise Bekanntschaften, Paarbeziehungen,
Freundschaften   oder   Verwandtschaften.   Die Bekanntschaft   ist   eine   schwache   Form   der sozialen   Beziehung.   Sie   besteht,   wenn   sich (mindestens)   zwei   Personen   gegenseitig identifizieren   und  wiedererkennen   können.   Die romantische   Zweierbeziehung   sticht   hingegen durch   ihre   Exklusivität   hervor:   Sie   ist   sozial geschlossen und birgt Verpflichtungen.Bereits  im  UNDERDOG  #16   habe  ich  über   das gesellschaftliche System des Patriarchats  referiert („Fickt   das   System“,   S.15ff)   und   bin   zur Erkenntnis gelangt, dass „das das patriarchalische System der  Familie, das  KZ-System der   Bildungseinrichtungen   die Jungbrunnen   der   Indoktrination sind(...)   Männer   wie   Frauen  sind Opfer  des Systems.  Die  Frau wird per  Sozialisation auf ihre Rolle -das Dasein   ohne   eigene   Kreativität- vorbereitet. Aber  richtig ist sie erst, wenn   sie   sich  damit   abgefunden hat,  Anhängsel des Mannes zu sein und  demzufolge  die  heterosexuelle Ehe   als   Bestimmung   begreift.  Bewusst wird so die Homosexualität unterdrückt,   um   sie   in   die hierarchische Struktur zu zwingen.Als  nächste   Station   des   „circulus vitosus“   erwartet   sie   nun   die biologische   und   durch   die   Ehe erzwungene   soziale   Mutterschaft. Hat   sie   diese   erst   mal  als   ihren Daseinszweck   verinnerlicht,   folgt logisch,   dass  sie   ihren   Selbstwert misst,  folgt  logisch,  dass sie  fortan durch   die   Wirkung   auf   Männer konzentriert.Ihr Selbstbewusstsein reduziert sich auf   die   Ebene   der   körperlichen Attraktivität.   Die   Entwicklung   der eigenen Kreativität, der Respekt vor  der   eigenen   Identität   gehen verloren.  Im  Konkurrenzkampf um die   Gunst   der   Männer   zerbricht auch   die   Solidarität   gegenüber GeschlechtsgenossInnen.   Der Chauvi-Mann   -die schwanzgesteuerte   Prä-Existenz- badet   im   Gefühl   dieser   Macht,  ergötzt  sich  in  seiner  Armseligkeit an billigster  Pornographie und lässt sich  vor   dem   Karren  des  Systems spannen“.

27.6.07 14:01, kommentieren