Stürzt das System

Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Mann und Frau. In der Literatur gibt es zahlreiche Aufsätze über biologische, soziale, religiöse, ethnische Erkenntnisse. Heterosexuelle wie homosexuelle Kontakte und Erfahrungen werden in dem Jugendalter gewonnen. In der pubertären Phase gilt es, sich täglich neu zu entscheiden: Für die Pickelcrème, die Liebe, den Sportlehrer, das neue Handy…Wichtig ist, sich langsam aus dem elterlichen Einfluss heraus zu lösen und versuchen, eigenständig zu denken. Wenn du das geschafft hast, bist du Punk, Riot Grrl oder zukünftiges Staats- und Regierungsoberhaupt.

Tatsache ist, dass der Mann in der heterosexuellen Beziehung kein Privileg für bloße Befriedigung seiner Bedürfnisse hat. Nimmt er sich dieses, ist er ein Chauvischwein. Nimmt er sich dieses mit Gewalt, ist er ein Vergewaltiger. Dieser ist ein nicht reflektierendes Arschloch, dessen irrationale Angst in blinden Hass umschlägt.

Als primäres Ziel gilt es jedoch, das System zu stürzen. Das gesellschaftliche System des Patriarchats. Diese kranke Struktur ist von Wenigen profitorientiert aufgebaut mit dem gewaltvollen Ziel, möglichst Viele auszubeuten. Der heterosexuell orientierte Mann geht nicht mehr nur mit der Keule auf die Jagd, während die Frau in der Höhle sitzt und wartet. Er geht mit der Keule, seinem Schwanz, auf die Jagd auf Frauen, um sie erst zu erlegen, dan zu besitzen wie eine Jagdtrophäe. Dieses dominante Machtverhältnis ist besonders am Wochenende zu beobachten, wenn Chauvi zur Jagd bläst und sein Revier in der Großraumdisko absteckt. Zumindest, wenn er an die Geschlechterrollenverteilung glaubt. Also fickt das System. Aber woher soll er das wissen? Durch Erziehung und Selbstisolierung ist das Leben im Kapitalismus in 2 Bereiche eingeteilt:

1.

den öffentlichen, den Produktions- und
2.

den privaten, den Reproduktionsbereich

Beiderseits dieser künstlichen Trennunglinie wuchert die menschenverachtende Diskriminierung der Frau. Sie ist fixiert auf den Reproduktionsbereich, ist Trost-, Bewunderungs-, Fick&Gebärmachine. Der Macho im Produktionsbereich erwartet zu Hasue ein devotes Liebchen, das ihm Mutter (Versorgung) und Hure (Befriedigung) ist. Höhepunkt dieses Dramas ist die Ehe, das ultima ratio einer Gesellschaft, die das Patriarchat als gottgegwollt verkauft. Der Status der Ehe nämlich impliziert eine Moralvorstellung, die die jahrelange erzieherische Arbeit der Gesellschaft zu Tragen kommen lässt. Frau gibt das Bisschen Freiheit auf,das ihr als rücknehmbare Gnade eingeräumt wurde. Der öffentliche Bereich ist bestenfalls noch Parkett für gelegentliche Repräsentationsauftritte, denn die Frau wird nun ihre Fähigkeit zur biologischen Mutterschaft zum Verhängnis. Wirft sie nicht, lastet auf ihr das Stigma des Versagens. Tut sie es doch, erfüllt sie mit ihrer Mutterrschaft endgültig die Aufgabe, die Rolle, die ihr zugedacht ist: die des Familiensklaven. In der Welt des Patriarchats bleibt für die Frau der öffentliche Bereich fest verschlossen. In wirtschaftlicher und sozialer Abhängigkeit vom Mann ist sie bedingungslos ausgeliefert.

“Im Konkurrenzkampf um die Gunst der Männer zerbricht auch die Solidarität gegenüber Geschlechtsgenossinnen!”

In einer EMNID-Sozialforschungsstudie von 1974 ist durch eine Befragung von Mädchen festgestellt worden, dass das Rollenbild der 15- und 16jährigen konservativ ist. Es ist primär orientiert an den biologischen und den emotionalen Bedürfnissen hinsichtlich Partnerbeziehung und Mutterschaft sowie an den Aufgaben, die sich aus der Befriedigung dieser Bedürfnisse ergeben. Der Beruf wird von vielen ausschließlich als Mittel zum Zweck betrachtet, vor allem zum Zweck des Gelderwerbs und der Hebung des Lebensstandards, aber nicht als Mittel zur Selbstverwirklichung. Gute Haushaltsführung und Erfüllung der Mutterpflichten halten alle befragten Mädchen für wichtig. Bezeichnend ist die starke Zentrierung auf den biologischen und den emotionalen Bereich. Auf die Frage nach den wichtigsten künftigen Lebensaufgaben folgt an erster Stelle:

*

die gute Beziehung zum Partner

und an zweiter Stelle

*

die Pflege und Erziehung der Kinder

Das patriarachale System der Familie, das KZ-System der Bildungseinrichtungen sind die Jungbrunnen der Indoktrination. Hier werden Liebe und Solidarität ersäuft. Hier werden Angst, Isolation und Hass im Innersten eines Jeden mainifestiert. Natürliche Solidargruppen, die das Machtgefüge und den reibungslosen Ablauf der Ausbeutung gefährden könnten, werden von vornherein erstickt. Hier werden die Menschen bereits in zwei Klassen unterteilt: Mann und Frau.

So sind beide Opfer des Systems. Doch da das Patriarchat die Seinen nicht verkommen lässt -nicht einmal die Täter/Opfer, Zwitter- nimmt frau zwangsläufig den Status des UNDERDOG an. Sie wird folglich per Sozialisation auf ihre Rolle -das Dasein ohne eigene Kreativität- vorbereitet. Aber richtig sozialisiert ist sie erst, wenn sie sich damit abgefunden hat, Anhängsel des Mannes zu sein und demzufoge die heterosexuelle Ehe als ihre Bestimmung begreift. Bewusst wird so die Homesexualität unterdrückt, um sie in die hierarchische Struktur zu zwingen.

Als nächste Station des circulus vitosus erwartet sie nun die biologische und durch die Ehe erzwungene soziale Mutterschaft. Hat sie diese erst einmal als ihren Daseinszweck verinnerlicht, folgt logisch, dass sie am Erreichen dieses Zieles ihren Selbstwert misst, folgt logisch, dass sie fortan durch ihre Wirkung auf Männer konzentriert.

Ihr Selbstbewusstsein reduziert sich auf die Ebene der körperlichen Attraktivität. Die Entwicklung der eigenen Kreativität, der Respekt vor der eigenen Identität gehen verloren. Im Konkurrenzkampf um die Gunst der Männer zerbricht auch die Solidarität gegenüber Geschlechtsgenossinnen. Der Chauvi-Mann, die schwanzgesteuerte Prä-Existenz,, badet im Gefühl dieser Macht, ergötzt sich in seiner Armseligkeit an billigster Pornographie, lässt sich vor dem Karren der Blutsauger des Sytems spannen.

“Sie brauchen zu Hause keinen Handschlag mehr zu tun, sonst ist die Frau beleidigt!” (ein Werbeslogan)

Gerade in unserer Subkultur hat sich in den HC-Strukturen eine deutliche Macho-Attitüde entwickelt. Posen und protzen. Sind wir denn auch Teil dieser obszönen Schmierenkomödie? Spielen wir mit? Übernehmen wir solche Normen unreflektiert? Sind wir Blind für die Zusammenhänge? Sind wir Schwanz genug, Teil des Patriarchats zu sein? Warum spielen wenig Frauen in Punk-/HC-Bands? Warum reduzieren wir die Beurteilung einer girl fronted Band nach ihrem Aussehen? Warum ist Pogo fast ausschließlich boy’s fun? Warum pflegen wir Rituale, von denen Frauen ausgeschlossen sind? Zeigt mir, wo wir anders sind als unsere Väter! Zeigt mir den Horizont, der Frau und Mann als gleichwertig aufweist. Zeigt mir die Liebe, die nicht Fluchtpunkt für das Ausleben kranker Verhaltensweisen ist! Gefallen wir uns als einsame Cowboys? Gefallen wir uns als Märtyrer des Straßenkampfes? Gefallen wir uns als Öl im Feuer des Patriarchats? Sind wir auf dem Schlachtfeld der Ignoranz angekommen?

Ich wünsche mir, wir reißen die Mauern ein, auch die eigenen.

WIR GEHÖREN UNS NOCH LANGE NICHT!!!

Der Themenschwerpunkt der Riot Grrl-Aktivitäten ist für mich persönlich auch ein Anlass, zu lernen. Von der Einstellung der Frau, sich im Alltag, im persönlichen Alltag zu behaupten. Der Kampf der Frau, ernst genommen zu werden, respektiert zu werden. Riot Grrl ist eine wilde, unzähmbare Frau, die keine Angst hat vor Veränderung. Sie will Veränderung. Denn die bestehenden gesellschaftlichen Rituale sind Gefängnis und Stagnation. Und gab es lange keinen Namen für die auflehnenden Gefühle gegen Tradition und religiöse Erziehung und blieben bei den heranwachsenden Teenagern unbewusst Schuldgefühle, so ist es wichtig geworden, dass es ein Label gibt, eine Etikette, eine Schublade, wo sich frau identifizieren und sich entwickeln kann, Unterstützung und Motivation vorfindet, anders sein zu dürfen…

Mit den beginnenden Förderungsmöglichkeiten im sozialen Bereich Anfang der 70er Jahren, hat sich auch das typische festgelegte Rollenbild der Frau zwei geteilt. Wenn du dich als Frau bewusst männlich gekleidet hast (Latzhose, Pullover) und dich auch verbal gewehrt hast, wurdest du als “Emanze” beschimpft. Hast du dir gezielt selbst bestimmt sexuelle Kontakte gesucht, wurde frau als “Schlampe” bezeichnet. Zur Überwindung der bestehenden Gesellschaftsordnung wird im Zuge des emanzipatorischen Erziehungsstils deutlich, dass es der Neuen Linken damals um den Kampf gegen das Leistungsprinzip, gegen Bindungen und traditionelle Werte ging. Die Dichotomisierung (Zweiteilung) enstspringt aber durch zwei entgegengesetzte Richtungen der Emanzipationsbewegung:

*

die bürgerlich-liberale und
*

eine marxistische

Erstere stellt die Emanzipation des Individums in den Mittelpunkt ihres Interesses. Für den Einzelnen verlangt sie mehr Chancengleichheit, mehr Entscheidungsmöglichkeit und Mitbestimmung. Dies soll vor allem durch gezielte Reformen des Bildungswesens erreicht werden.

Die marxistische Richtung dagegen zielt primär auf gesellschaftliche Emanzipation. Sie will ökonomische Chancengleichheit erreichen, gegebenfalls durch revolutionäre Veränderung der Gesellschaft.

Und spätestestens mit der Findung des Begriffs “Riot Grrl” in den 90er Jahren wurde die festgelegte Zweckdefinition der Rollenindentifikation erneut aufgebrochen. Und was mit Begriffen wie “Selbstbestimmung”, “allseitige Entfaltung der individuellen Möglichkeiten”,”Mündigkeit” usw. im Sinne einer emanzipatorischen Erziehung gemeint ist, führt die RIOT GRRL-Kultur weiter. Mehr noch, sie wird verändert und weiter entwickelt.

Some people think that little girls should be seen and not heard… But I say Oh Bondage Up Yours ! 1-2-3-4 (X-RAY SPEX)

Quatro recalls , for all you feminists out there, that her sex’n'leather image was all her own idea… I’ve always been against the women’s movement as a unit… I’m all for women’s rights , but not done as a group, ’cause that takes away from what they’re trying to do. “She sees her own efforts to break the stereotyped image of female performers as useful: “That’s the way you make progress, not by shouting and screaming and burning your bra, which now they’re sorry they did because everybody’s sagging…” (Sounds 3/11/79)

Girls got balls. They’re just a little higher up, is all.” (Joan Jett 29/7/78)

I think I’m going to have trouble because people tend to put the sexuality first. I hope they don’t. That’s what I am trying to fight. I want to be recognised as an artist. (Kate Bush 25/3/78)

Debbie Harry: “Women are going to be the new Elvis’s. That’s the only place for rock ‘n’ roll to go. The only people who can express anything new in rock are girls and gays.” 1981

Debbie Harry: ” I might not like it when a crowd shouts at me but I certainly thrive on it. If a band full of men is on stage and an audience of girls is screaming then everything is as it should be…but if its a girl on stage then suddenly everything is cheap because I’m a girl and they’re not used to that. If it was the Bay City Rollers up there then everything would be cool.”

Gaye Advert: “I’ve been accused of copying the bassist of Talking Heads’ cause I’m female. Just ’cause I’m female. ” Sniffing Glue 7 1977

Gaye Advert: “People have since told me that I influenced them…I think punk spawned women in bands that were a lot more exciting than the boring female singers that came before.” Punk 77 20/2/2001

Arri “We’re just not interested in questions about women’s Liberation.. you either think chauvinism is shit or you don’t. We think its shit.”

“The Slits came on and ravaged their way through a brilliant set. By the way Arianna has a super pair of legs.” LA Silver. Viva La Resistance. Fanzine. Preston

“I don’t know how Siouxsie copes with playing to these arseholes, screaming to see her tits, grabbing her legs and gobbing at her. I get immense pleasure when she raps one of these wankers with a mike stand or kicks someone in the head who’s too amorous though they probably like it.” Nils Stevenson. Vacant p107

“You know this is something that really makes me sick. All my idols in rock ‘n’ roll have all been male. And me going out and being an overtly sexy female and doing what I feel and what every male performer has done for years, like straight eroticism…Our record company the only pictures they are interested in are with my tits…I’m proud of my body, I work out…but there’s more much more to The Plasmatics than my body…My body is just part of my whole attitude…Its that censorship thing, that male thing that chauvinistic attitude. They have all these roles women are supposed to play. Women are supposed to be barefoot pregnant and in the kitchen. Women onstage are supposed to be almost asexual, a prude. Its bullshit and it really infuriates me. In the front of our shows there’s always lots of girls…Girls like having a female out there doing all this stuff…its about time they had someone to relate to who’s not afraid to be a woman stepping out and doing my thing and not being inhibited.” Wendy O’Williams Sounds 7/2 1981

The Iconoclasts were an all girl punk group from Liverpool. Here are some comments from Zigzag April 1984 eight years after punk started. “…round here girls are automatically classed as slags if they’re punks. We get a lot of abuse, just because you wear a short skirt at some time or other…you’re going onstage and your audience are going to be mainly male…and they’re all going to be shouting things at you, taking advantage of the fact you’re girls ‘coz there’s no lads to stop them. Also in a girl band you don’t get taken seriously because you’re classed as a pair of tits onstage. You talk o promoters and they don’t take you seriously……when we played the 100 Club there was girls sitting on the side of the stage…and that’s what you’ve got to put up with as well…Girls sitting there giving us filthy looks. We can’t understand that because if they haven’t got the bottle to do it themselves then why slag us down ?”

26.6.07 19:22

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