Friss oder stirb!

"Uns geht es gut" glauben zumindest reisewütige Islamisten und sprengen sich himmelhochjauchzend selbst in die Luft. Nicht, dass wir von Allem genug übrig haben und leben wie die Maden im Speck, wie Adam und Eva im Paradies, wie Gott in Frankreich, wie deutsche Manager. Aber wir müssen aufhören, uns zu beschweren, zu bemitleiden und herum zu jammern, dass wir nichts übrig haben, um uns an dem Aufschwung der deutschen Wirtschaft beteiligen zu können. JedeR hat seineN Beitrag zu leisten. Es ist nur eine Frage der Verhältnisse. Die in einem Unternehmen am tiefsten bezahlte Arbeitskraft müsste 65 Jahre arbeiten, um auf den Jahreslohn eines durchschnittlichen KonzernleitungsmItglieds zu kommen. Gehalt Ist also nicht von der erbrachten Leistung abhängig, sondern von der Position, sich sein Gehalt selbst zu zahlen. »Der Aufschwung kommt bei den Menschen an, bei immer mehr Menschen« weiß Angela Merkel. Aha, denke ich, warte ich mal ab. In den nächsten Tagen verbringe ich Zeit damit, am Fenster, vor der Tür zu stehen und auf den Aufschwung zu warten. "Nein, leider kein Aufschwung dabei!" enttäuscht mich die Briefzustellerin, die ihren Drittjob für Euro 6 Brutto erledigt und genauso aussieht. Kein Wunder, wartet sie wohl selbst auf den Aufschwung, während Ihr Kind Kind Im teuer erkämpften Kiga verweilt und der nächste Job bereits wartet. Fast sieben Millionen Menschen sind geringfügig beschäftigt, davon fünf Millionen ausschließlich in Minijobs. Morgens Briefe austeilen, mittags als Servicekraft Essen in der Kantine ausgeben, nachmittags bei Mc Donalds die sanitären Anlagen reinigen, abends als Flugbegleiterin den Essenswagen schieben und morgens dann wieder von vorne. Arbeit für Alle. Jetzt, gleich und später, bis zur totalen Erschöpfung. Und immer schön lächeln. Mit 3- Wetter-Taft und einem Frühstücks-Riegel funktioniert auch ein gepflegter, positiver Umgang, der eine "Fick mich, ich bin willig"- Mentaltität versprüht. Die wahren Gefühle flößen wir uns mit der täglichen Dosis Daily Soap ein und leiden mit, wenn DB-Chef Mehdorn nach der tarifpolitischen Niederlage im Januar trotzig "massiven Stellenabbau" und höhere Ticketpreise angekündigt. Was kostet die Welt? Was kostet die Bahn? Investitionen müssen sich wieder lohnen. Für Manager und Rotlichtparties.
"Unternehmen mit kämpferischen Gewerkschaften, die streiken - und sich durchsetzen -, sind für Investoren weniger attraktiv."
Was übrig bleibt ist ein Leben als Hund, nach dem man tritt, den man quält und einschläfert. Du bist eben nicht Deutschland. Du bist nur eine Notiz in der Vorratsdatenspeicherung, eine Streichung im Haushalts- und Wirtschaftsetat, ein Auslaufmodell, eine wegrationalisierte Belastung für den Betrieb, ein Witz, über den niemand mehr lacht.
»Jeder -ob ein Geringverdiener, ein Höchstverdiener oder ein ALG-II-Empfänger muß sein persönliches Ausgabenverhalten nach dem ausrichten, was er zur Verfügung hat. Ich bin überzeugt, daß das möglich ist. « (...) orakelt Max Straubinger von der CSU. So wird Armut weggeredet. Oder verdrängt. Wir müssen nur an den Aufschwung glauben. Ganz fest. Die Trümmerrfrauen mussten in der Nachkriegszeit auch erst mal schuften, um dem Erhard die erste Zigarre zu ermöglichen. "Den Aufschwung kannste doch in der Pfeife rauchen!" würde mein Opa jetzt mahnend hustend von sich geben, wenn er denn das Rauchen wegen 2 Herzinfarkte nicht aufgegeben hätte. "Jung, wir ham uns kaputt malocht!" Der eigentliche Aufschwung war dann die Feuerbestattung. Noch einmal in die Luft gehen...empor gehoben werden wie ein Superstar, dem alle zujubeln. Wer gibt schon gerne zu, dass jemand arm sei. Nee, wir leben von dem, was wir haben und können eben gut haushalten. Und wir geben ja auch gerne. Wir Deutschen sind Ausländern gegenüber besonders spendierfreudig. In den Augen der meisten Deutschen ist ein Ausländer, vor allem wenn er nicht aus Westeuropa stammt, ein Mensch, der Führung, Beistand, Belehrung und einer besonderen Behandlungsweise bedarf. Ein Ausländer ist - gleichgültig in welcher Position er sich befindet - ein geistiger und materieller Almosenempfänger. Es steht jedenfalls fest, dass Ausländer kulturell und geistig minderbemittelter sind als eigene Landsleute. Man kann auf sie herabblicken, meist freundlich, selten bewusst boshaft. Die vermeintliche Ungleichheit nimmt man hin, als wäre sie ein Naturgesetz. So spenden wir kriminellen Ausländern die Heimreise. Aber auch Deutsche sparen sich Ärger, wenn sie aufhören, durch einen erhöhten Alkoholkonsum die Armut wegzusaufen.
Bei einer Sicherheitskontrolle am Nürnberger Flughafen hat sich ein 64jähriger Passagier geweigert, die Wodkaflasche aus dem
Handgepäck gegen eine geringe Sicherheitsgebühr als Reisegepäck abzugeben. Er trank sie aus und wurde zur Entgiftung ins Krankenhaus eingeliefert. Geiz ist nicht geil, sondern gesundheitsschädigend. Und bevor sich die deutsche Wirtschaft gesund schrumpft, nehmen wir uns ein Beispiel an Deutsche-Bank­Chef Josef Ackermann, der im Geschäftsjahr 2004 rund 10,1 Millionen Euro verdient hat, aber fast genausoviel weniger als ein Jahr zuvor. Seht ihr? Wir können doch noch verzichten. Weniger Geld heißt doch nicht gleich, weniger Würde. Denn die ist unantastbar und kostet nichts. Verdammt, wo bleibt der Aufschwung?
Die Energiepreise steigen 2008 weiter, die Lebensmittel werden teurer, die Renten gekürzt und Jobs nach Wünschen von Industrie und Unionsparteien am besten mit Minimindestlöhnen von 4,50 Euro vergütet. Also müssen wir gaaaanz schnell wieder ein paar Schuldige ausmachen. Ein paar schwarze Schafe aussortieren, ins Ghetto bringen, dann ins Lager und unter die Dusche stecken. Selbstjutiz als Volkssport für eine moralisch starke Gemeinschaft, die sich nicht zu schade ist für Drecksarbeit. Sachsen-Anhalt will einem Schornsteinfeger wegen politischer Tätigkeit für die rechtsextreme NPD den Kehrbezirk entziehen. Ja, mensch, wo leben wir denn? Wir müssen uns an NPD-Parlamemntarier
gewöhnen. SIE leben unter uns...Verzeihung...über uns, selbst wenn sie niedere Arbeiten verichten. SIE haben den Kampf der Straße gewonnen. Sie machen sie jetzt sogar schon sauber.
"Hassu mal 'n Euro, ey?" schnorrt mich der sonnenbankgebräunte Penner im Armani-Anzug auf offener Straße an. "Hab ich investiert!" bringe ich locker über die Lippen. "In Aktien?" fragt der Armani-Penner interessiert. "Quatsch. Der NPD gespendet!" Denen geht's doch soo schlecht. Anfang November 2006 musste die NPD zugeben, dass sie sich in finanziellen Schwierigkeiten befindet. Der Grund waren Rückforderungen des Bundes in Höhe von fast 900.000 Euro. Da hat der Schatzmeister ausgerechnet, dass wenn jedes Mitglied,
mindestens 100 Euro spendet, das Finanzproblem gelöst wäre. Die kann Ich aber nur In Raten zahlen. Naja, und dafür werde ich noch belohnt. So eine Art "Retter"-Shirt wie von St. Pauli!
Moment, es klingelt(...)Scheiße, waren nur 2 vermummte islamistische Freiheitskämpferinnen. Die haben mich gefragt, ob ich noch an etwas glaube. Ja, an den Aufschwung! Die haben mich ausgelacht und mir einen Lotto-Schein ausgehändigt.
Es wird Zeit, dass ich den Lotto-Jackpott knacke.

16.4.08 11:52

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


hochkantig / Website (16.4.08 13:00)
oh man ich brauch nee Brille
Sehr guter Artikel,hat mir gefallen!

Gruß

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